Karolinigsche Minuskel:

Die große Schreibreform Karls des Großen etabliert die Karolinigsche Minuskel als allgemein verbindliche Schrift und setzt dem Schriftchaos, welches durch die unzähligen Nationalschriften zwischen dem 5. und dem 8. Jh. entstanden war, ein Ende. Hierdurch waren die grundsätzlichen Voraussetzungen für ein monoformales Schriftsystem in Westeuropa gegeben.

Die Motivation für die Verbreitung einer einheitlichen Schrift hatte einen politischen Ursprung: Das Frankenreich Karls des Großen, welches sich von den Parenäen bis zum Baltikum erstreckte, war nur mithilfe eines allgemeinverbindlichen und allgemeinverständlichen Schriftsystemes zu regieren.

In der Karolingischen Minuskel sind fast alle Kleinbuchstaben des heutigen Alphabets ausgebildet. Die Karolingische Minuskel wurde im Klosterscriptorum von Saint Martin in Tours von Abt Alkuin von York (732 - 804) entwickelt.

¶ Bild-Quelle: Gürtler, André; »Die Entwicklung der lateinischen Schrift«, Bildungsverband Schweizerischer Buchdrucker, St. Gallen 1969, S. 55, Abb. 127 (Mit freundlicher Genehmigung des Verlages).