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Nationale und Internationale
Schrift-Klassifikationssysteme

Ein Überblick

von Florian Rhode

Die Welt der Schriften ist von unüberschaubarer Vielfalt. Jeder der versucht, bewusst mit Schriften zu gestalten, weiß wie schwierig es gerade zu Anfang ist, sich gekonnt der Typografie zu bedienen.

Ähnlich wie ein Koch, der mit Hilfe von Gewürzen eine bestimmte Geschmacksrichtung kreiert, benutzt der Grafiker Schriften um dem zu gestaltenden Medium die passende Tonalität zu geben. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle: Wird Schrift als Gestaltungselement eingesetzt oder als Informationsträger, welche Schrift passt zu welchem Anlass, warum eignen sich manche Schriften besser für Fließtext als andere. Die Antwort auf diese Fragen hängt mit dem Aufbau von Schriften und dem Auffassungsverhalten des Lesers zusammen.

Zur besseren Zuordnung von Schriften bzw. Schriftcharkteren werden diese klassifiziert, also in – historisch-chronologische, formalästhetische oder funktionale – Gruppen gegliedert. Dies vereinfacht das Arbeiten mit Schrift, hat aber auch den Nutzen, dass man in der unüberschaubaren Vielfalt der Schriftentwürfe den Überblick behält.

Bei der Klassifikation gibt es verschiedene Ansätze mit unterschiedlichen Intentionen. Fast jedes Land hat dabei sein eigenes Modell.

Die in Deutschland wohl am weitesten verbreitete Klassifikation ist die DIN(16518)-Klassifizierung von 1964. Die vom deutschen Institut für Normung entwickelte Methode sortiert Schriften nach historischen und äußerlichen Aspekten. Dabei wird die geschichtliche Entwicklung der Schriftgestaltung in den Vordergrund gestellt. Die DIN-Klassifikation gilt als unflexibel und veraltet, da neuere Schriften nicht detailliert betrachtet werden und so nur oberflächlich katalogisiert werden können. (Literatur: ¶ Schriften erkennen // Link: ¶ DIN 16518 en Detail)

Einen anderen Ansatz verfolgt die Willberg-Klassifikation. Willberg unterscheidet Schriften nach Form und Stil. Ihm ist es wichtig zu verdeutlichen, wie Schriften wirken. Anhand der Willberg´schen Klassifikation ist es möglich, Schriften auf ihren Verwendungszweck zu prüfen. Sie ist jedoch nicht zur geschichtlichen Zuordnung geeignet. (Literatur: ¶ Wegweiser Schrift)

Eine weitere, in Deutschland gebräuchliche Klassifikation ist die Schrift-Matrix von Beinert. Die Kategorien dieser Methode richten sich nach dem Aufbau der Schriften. Sie eignet sich also weniger für Anfänger und ist ausschließlich für die Schriftsortierung gedacht. (Link: ¶ typolexikon.de).

Internationale Klassifikationsmodelle sind z.B die »Typeface Design Grouping according to AFII«, die italienische »Classificazione Novarese«, die französische »Classification typographique de Vox-ATypI« oder die »Typeface Classifications British Standards 2961«.

Die in Italien verwendete Klassifikationsmethode »Classificazione Novarese« wurde 1957 von Aldo Novarese (Eurostyle) eingeführt. Hier werden Schriften in historisch-relevante Gruppen unterteilt. Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Serifen. Die ursprüngliche Version umfasst 10 Gruppen. 1990 wurde die Klassifikationsmethode auf 22 Gruppen aufgestockt, um auch modernere Schriften genauer einordnen zu können.

Die französische Klassifikation von Maximilien Vox ist nach der gleichnamigen Organisation ATypI (Association Typographique International) benannt und vergleichbar mit der deutschen DIN-Klassifikation. Auch hier werden Schriften nach historischen und äußerlichen Aspekten sortiert und ähnlich wie die deutsche DIN-Methode ist die Vox-ATypI ungeeignet neuere Schriften genau zu klassifizieren.

Die »Typeface Classifications British Standards 2961« wurde 1967 von der British Standards Institution entworfen. Sie umfasst 12 Gruppen und erlaubt eine detaillierte Unterscheidung der Brotschriften, da, ähnlich wie bei der Willberg´schen Klassifikation, neben äußerlichen Aspekten auch der Stil der Schrift für die Einordnung wichtig ist.

Die oben aufgeführten Klassifikationen sind nur die bekanntesten Methoden. Wer im Internet schon mal Schriften gesucht hat, wird schnell auf weitere Modelle stoßen. So verfügt heutzutage jeder Online-Fontshop über eine eigene Art von Klassifizierung, die den Kunden möglichst schnell zu der gesuchten Schrift leiten soll.

Die Vielfalt der Schriften macht es schwer, eine einzelne Methode hervorzuheben, die allen Ansprüchen gerecht wird. Daher ist es beim Arbeiten mit Schriften ratsam auf mehrere Modelle zurückzugreifen und diese zu kombinieren (zum Beispiel die DIN-Klassifizierung zur geschichtlichen Einordnung und die Willberg´sche Methode zur Überprüfung des Verwendungszwecks).

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Lektüre zum Thema Klassifikation
¶ Schriften erkennen
Sauthoff, Wendt, Willberg: Einführung in die DIN 16518 Klassifikation.

¶ Wegweiser Schrift
von H. P. Willberg: Die Willberg´sche Form-Stil-Methode.

Externe Links
¶ Tkb-Bookmarks
zum Thema Klassifikation …
¶ Umfassende Übersicht
(von Luc Devroye)

über int. Klassifikationsmodelle …
¶ Schöne Übersicht (Brasilien)
über int. Klassifikationsmodelle …
¶ DIN 16518 en Detail
von Bernhard Schnelle …
¶ Gebrochene Schriften
im Detail (Bernhard Schnelle) …
¶ typografie.info (typowiki.de)
¶ typolexikon.de
¶ wikipedia.de