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Die Wahl der richtigen Schriftart

von Verena Mainz

Heir ist kien Tppifheelr !!!

Gmäeß eneir Sutide eneir elngihcesn Uvinisterät ist es nchit witihcg, in wlece Rneflogheie die Dstachuebn in eneim Wort snid. Das ezniige, was wcthiig ist, ist dass der estre und der leztte Bstabchue an der ritihcegn Pstoiion sheetn. Der Rset knan ein ttoaelr Bsinöldn sein. Tedztorm knan man den Txet lseen.

Das ist so wiel wir nicht jeedn Bstachuebn enzelin leesn, snderon das Wort als gseatems. Als Jonastiurlen wssien wir das shocn lngae. Und hin und wdeier tseetn wir die Aerkmskiufmaet unsreer Lseer. Sie dtachen bis hetue vlliehciet, das snid gnaz bnaale Tfpipehelr. Dneai hbean wir nur die Siutde mit gsemmaeletn Eneisbgresn agrienechret.

¶ Quelle: Aus der Studie des englischen Sprachwissenschaftler Graham Rawlinson. Diese ist 1976 an der Universität von Nottingham als Dissertation erschienen. Der Titel lautete »The signification of letter position in world recognition«.

Wie wir lesen

Beim Lesen nehmen wir nicht die einzelnen Buchstaben, sondern ganze Wörter und Wortgruppen auf, welche dabei vor allem durch ihre unverwechselbare Außenkontur erfasst werden.

Hierdurch ist auch der obige Text relativ gut zu lesen, auch wenn dabei in den einzelnen Wörtern nur der Anfangs- und der Endbuchstabe an ihrem Platz stehen und die restlichen Buchstaben durcheinender gewürfelt gesetzt sind.

Sobald aber nun der Text an sich nicht optimal steht, ist unser Lesefluss beeinträchtigt: Wir brauchen länger, um den Text zu erfassen und ermüden beim Lesen schneller.

Hinweis:

Genau das ist der Punkt, an dem die Wahl der Schriftart, mit der ich einen Lesetext setze, oberste Priorität besitzt: Für die Gestaltung langer, durchgehend zu lesender Texte brauche ich eine Schrift, deren Wortbildprägung so groß wie möglich ist. Was aber sind das für Schriften?

Übersicht:

¶ Punkt Eins: Das Zauberwort heißt »Dynamik«.

Am besten eigentlich beschrieben und hergeleitet in dem Buch »Wegweiser Schrift« von H.P. Wilberg, in dem u. A. versucht wird, eine neue, zeitgemäße Form der Schriftklassifikation zu erstellen.

Dynamische Schriften sind Antiquaschriften aus der Renaissance oder dem Barock und Groteskschriften mit offenen Binnenräumen.

¶ Punkt Zwei: Strichstärkenkontraste

Lineare Schriften sind in den meisten Fällen schlechter zu lesen als nicht lineare. Die ausgewogensten Strichstärkenkontraste finden wir bei den dynamischen Antiqua-Schriften (Renaissance, Barock). Klassizistische (statische) Antiqua-Schriften hingegen (Bodoni, Walbaum) sind zu stark kontrastiert. Hier bewirken die horizontalen, überproportional verstärkten Grundstriche ein störendes Flimmern im Textbild.

¶ Punkt Drei: Unterscheidung der Buchstaben

Oft gibt es bei statischen Schriften die Gefahr, im Wortbild ähnlich erscheinende Lettern zu verwechseln (z. B. Versal-I und Minuskel-l) oder durch die Ähnlichkeit der Buchstabenformen Wortbilder nicht präzise und schnell zu erfassen (Minuskel-a-d-g-p-q). Daher sollte man für Lesetexte Schriften verwenden, welche sowohl ein zweistöckiges a als auch ein zweistöckiges g besitzen.

Das ausgewogene Schriftbild entsteht also sowohl aus der Unterscheidbarkeit der Buchstaben einer Schrift als auch durch den formalen Gleichklang/Zusammenhalt des Gesamtkonzeptes.

¶ Punkt Vier: Ober- und Unterlängen

Wortbilder werden auch durch ausgeprägte Ober- und Unterlängen gestärkt. Diese sind eher bei Schriften mit geringerer x-Höhe zu finden.

¶ Punkt Fünf: Raum und Horizontalwirkung

Buchstaben und ihre Binnenräume brauchen Raum, um sich entfalten zu können. Diesen Raum können sich schmal laufende Schriften zu Lasten des Wortbildes nicht zu Nutze machen.

Hinzu kommt die Tatsache, dass wir beim Lesen horizontal durch die Zeile geführt werden müssen. Hierbei sind die Serifen der Antiqua förderlich, die vertikale Ausrichtung von schmal geschnittenen Schriften hingegen kontraproduktiv.

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